© 2017 by Robin Kirchner / Impressum

Burj el-Murr

Access Beirut through it's main door

Burj el-Murr – Dieser Name weckt bei vielen Einwohnern der Stadt Beirut dunkle Erinnerungen. 1974 begannen die Bauarbeiten des vierzig Stockwerke hohen Gebäudes, welches das Handelszentrum der aufstrebenden Stadt Beiruts werden sollte. Doch aufgrund des Ausbruch des Bürgerkrieges wurde der Turm nie fertig gestellt oder bezogen. Bis heute steht er in zentraler Lage in West-Beirut im Zentrum des muslimischen Teils der Stadt und nahe der Damascus Road, der sogenannten „Green Line“, die im Bürgerkrieg christliche von muslimischen Vierteln trennte. Das machte ihn zu dieser Zeit zu einem strategisch wichtigen Standort, vor allem im sogenannten „Battle of the Hotels“, einem der blutigsten Kapitel des Krieges. Bei diesem Gefecht wurden mehrere innerstädtische Hochhäuser und Hotels von unterschiedlichen politischen und religiösen Gruppierungen besetzt und als Standort für Scharfschützen genutzt. Vom Burj el-Murr aus versuchten muslimische Milizen christliche Truppen zu stoppen, die sich ihren Weg nach West-Beirut bahnten. Aus den Fensterhöhlen zielten die Scharfschützen auf die Straßen Beiruts und verwandelten die Umgebung des Turmes in eine Todeszone mit einem 2 km umfassenden Radius. Vor allem in Richtung Osten und des Märtyrer-Platzes, dem ehemaligen Herzen der Stadt. Hier liegen heute noch Brachflächen. Andere Teile wurden neu errichtet oder befinden sich jetzt im Wiederaufbau. Der Turm ist heute vom libanesischen Militär abgeriegelt, auch aus Angst davor, er könne in einem erneuten Konflikt wieder eine ähnliche Rolle einnehmen.

In meiner fotografischen Serie durchwandere ich die umliegenden Viertel und bewege mich einmal komplett um den Turm. Immer wenn sich eine Sichtachse zum Turm ergibt fotografiere ich ihn. Somit ergibt sich die Bildsequenz einer 180°-Drehung um das Gebäude. Die Bilder zeigen nicht nur die Umrundung des Turmes sondern ergeben auch eine Topographie des heutigen Beiruts mit seinem heterogenen Stadtbild, welches die Geschichte und Bevölkerungszusammensetzung widerspiegelt. Man sieht Moscheen und Kirchen die auf die religiöse Mischung der Stadt hinweisen, Gebäude mit Einschusslöchern oder das luxuriös restaurierte Hotel Phoenicia. 

Die Bildserie fragt auch nach der Rolle des Turmes heute. Handelt es sich um eine Ruine die renoviert werden könnte? Um einen Schandfleck, der aufgrund seiner düsteren Geschichte besser abgerissen werden sollte? Oder liegt in der rohen Form des Gebäudes auch eine ästhetische Qualität? Könnte er die Rolle eines Mahnmals übernehmen, um von einer Zeit zu erzählen, die man besser nicht vergessen sollte.

Auf einem Bild kündigt eine große Werbeanzeige für ein Neubauprojekt an: "Access Beirut through it's main door". Ganz wie es sich die Scharfschützen damals gedacht haben mögen.

Burj el-Murr – dark memories arise for the people of Beirut when they hear of the name. It’s a 40 story scyscraper in the center of Beirut. The construction of the building started in 1974 when it was intended to become the Trade Center of the flourishing city. But as soon as the civil war broke out in 1976, the project stopped and was never  completed ever since.

Until today, its raw unfinished structure stands in the middle of west Beirut close to the city center and Damascus Road which was the former so called „Green Line“ which separated muslim and christian neighbourhoods during the war. This made the building a strategical important landmark during one of lebanese civil war’s deadliest chapters: the Battle of the Hotels. After the civil war broke out several luxury hotels in the city center were conquered and squatted by rivaling militias, making the towers in the area sniper spots. The Burj el -Murr was dominated by muslims who tried to stop christian militias to make their way into west Beirut so the shooting was especially in direction downtown and the Martyrs Square where today are still fallow lands which await redevelopment after the war while allready big parts of the city  were rebuilt or are currently under construction. As for the tower, it is under control of the Lebanese military mainly because of the fear that it might regain it’s horrific role if a conflict rearises. The snipers turned it's surrounding quarters into a dead zone.

 

For my photographic series I walked through the surrounding quarters. In the moment where there is an open view at it, I take a shot, turning the "shooting diredction" towards the tower. I am completing a 180 degree circle around the tower creating a photographic sequence of it. But in the pictures you do not only see the tower, by taking them I am also showing the topography of modern Beirut today. You see Mosques and Churches, buildings still destroyed from the war or scattered with bullet holes, renovated buildings like the Phoenicia Hotel and new developments. You see a muslim women wearing a scarf, christian women with shopping bags, military in the streets, political Posters of Martyrs and Graffitis on the walls. 

 

The Series also asks the question: what role does the tower play today in Beirut? Is it just a ruin which could be renovated? Should it be demolished because of its dark history? Or has it become a monument itself, and its raw structure has an aesetic value which has the power to remind future generations of a dark time which should better not be forgotten.

In one picture a big advertisement for a new real estate projects says  "Access Beirut through it's main door" just like the Snipers must have thought back then.

Mehr anzeigen